Der Fluidroller als Raumschiffantrieb
Magnetohydrodynamic Vril PlasmaWheel Vimana
Plasmarad Quadrupol
Plasmarad Hexapol
In der heutigen offiziellen Raumfahrt wird der interplanetare Raum üblicherweise als näherungsweise leer betrachtet und das durchaus vorhandene dünne Plasma (beispielsweise Sonnenwind) wird vernachlässigt. Für die derzeit offiziell in Betrieb befindlichen Raumfahrzeuge stellt das durchaus eine brauchbare Näherungslösung dar, verlangt allerdings auch danach, sämtliche Beschleunigungen durch Rückstoß eines mitgeführten Mediums zu erzeugen. Schön und effizient wäre allerdings, wenn man sich genau wie auf der Erde an bereits vorhandenen Medien abstoßen könnte. Automobile verwenden den Untergrund, Schiffe das Wasser und Flugzeuge die Luft als Reaktionsmedien, und damit mehr oder weniger direkt die Erde als Reaktionsmasse. Könnte man den Sonnenwind als Reaktionsmedium benutzen, so wäre das ein wesentlicher Fortschritt in der interplanetaren Raumfahrt.

Natürlich kursieren auch derzeit schon diverse Ideen, Raumfahrzeuge von einer Kombination aus Sonnenwind und Strahlungsdruck antreiben zu lassen (Sonnensegel), allerdings verlangen diese Ideen nach riesengroßen Segeln, die auch nur sehr wenig Schub liefern können. Diese Systeme entsprechen im Allgemeinen dem mechanischen Verständnis eines Segelschiffs.

Relativ attraktiv wäre natürlich auch die Anwendung des Prinzips eines nach dem Magnus-Effekt arbeitenden Flettner-Rotors, allerdings müßte der im rein mechanischen Betrieb unter reiner Ausnutzung der mechanischen Kohäsion und Adhäsion bei hohen Drehzahlen laufen und gleichzeitig riesige Abmessungen aufweisen. Daß das bezüglich Gewicht und Kraftverteilung sehr ungünstig wäre, dürfte klar sein. Daher stellt sich die Frage: Wie baut man einen nach dem Flettner-Prinzip arbeitenden Rotor, der gleichzeitig mechanisch klein und leicht, aber vom Wirkungsquerschnitt her trotzdem riesengroß ist? Die Antwort darauf lautet: "Magnetisierung."

Ein von seinen rein materiellen Abmessungen kleiner und vom Materialaufwand relativ leichter Rotor, der mit entsprechend hohen Drehzahlen betreibbar ist, läßt sich durch Magnetisierung virtuell gewaltig vergrößern. Die aus einem wie in den Cartoons illustriert magnetisierten Rotor heraussteckenden Magnetfeldlinien gehören schließlich auch funktional dazu, sind also Bestandteil des Rotors, verlangen aber keine mechanisch-materielle Präsenz des Objekts am Ort ihrer Wirkung. Oder kürzer formuliert: Der materielle Teil des Rotors muß vergleichsweise klein und leicht sein. Durch Magnetisierung wird um den materiell relativ kleinen, leichten Rotor herum ein immaterielles Feld geschaffen, das logisch-funktional Teil des Rotors ist, aber nichts wiegt. Dieses Feld erzeugt im Sonnenwind eine Magnetosphäre.

Plasma-Gierfähre
Im einfachsten Fall baut man ein Raumschiff, welches nach dem Prinzip der Gierfähre arbeitet. Der Fluß wird in diesem Fall durch den Sonnenwind ersetzt. Die Funktion des (elastischen) Seils, mit dem Gierfähren am Ufer befestigt werden, wird durch die Gravitationswirkung der Sonne übernommen. Dies soll im unmaßstäblichen Bild auf der rechten Seite veranschaulicht werden: Dunkelviolett steht für ungestörten Sonnenwind; die hellvioletten Pfeile auf der linken Seite des Bildes geben die Richtung des Sonnenwindes an. Die Sonne steht also links außerhalb des Bildrandes. Die weiße Kreisfläche symbolisiert den Rotor; der schwarze, geschwungene Pfeil gibt die Drehrichtung an. Die hellviolette Fläche symbolisiert die durch die Drehbewegung verzerrte Magnetosphäre des Rotors. Die von der weißen Kreisfläche wegzeigenden Pfeile bedeuten: hellgrün, nach links in Richtung Sonne zeigend: Gravitation der Sonne; helltürkis, nach rechts zeigend: orbitale Fliehkraft des Raumschiffs; hellgelb, nach rechts zeigend: Strömungswiderstand des magnetisierten Rotors im Sonnenwind; gelb, nach "oben" zeigend: beabsichtigte Beschleunigungs- oder Bremskraft des Rotorantriebs. Auf der sonnenzugewandten Seite werden die Teilchen des Sonnenwindes (überwiegend Protonen und Elektronen) durch Rekonnexion in die Magnetosphäre des Raumschiffs hereingedrückt und auf der sonnenabgewandten Seite seitenversetzt wieder herausgerissen.

Da sich der Rotor dreht, dreht sich auch die Magnetosphäre mit. Die aus dem Rotor heraussteckenden Magnetfeldlinien wirken auf das umgebende Plasma ähnlich wie flexible Turbinenschaufeln oder Blätter eines Wasserrades. Natürlich stecken aus dem Rotor nicht wirklich irgendwelche ominösen Linien heraus, aber die Magnetfeldlinien, die in modellhaften Darstellungen oft eingezeichnet werden, symbolisieren ja einen tatsächlich dem Magnetismus eigenen Sachverhalt. Man kann elektrisch geladene Partikel mit starken Magnetfeldern geradezu an Magnetfeldlinien fesseln. Die durch die Rotation der Magnetosphäre auf die mitgeführten elektrisch geladenen Partikel (mehrheitlich Elektronen und Protonen) ausgeübte Fliehkraft sollte die Partikel vom ungebremsten Einschlag in die Pole des Rotors abhalten. Da ein interplanetares Raumschiff der beschriebenen Wirkungsweise keine schützende Außenatmosphäre mit sich führen kann, können wir Polarlichter am Fahrzeug alles andere als gebrauchen.

Je nach Dichte und Relativgeschwindigkeit des Sonnenwindes wird die Magnetosphäre unterschiedlich gestaucht und gezerrt. Dichte und Geschwindigkeit des Sonnenwindes variieren je nach Aktivität der Sonne und Aufenthaltsort des Raumschiffs; die Bordelektronik muß durch Anpassung von Magnetisierung und Drehzahl des Rotors darauf reagieren. Dazu empfiehlt es sich, Spulen und Leistungselektronik in die Rotoren zu integrieren. Um die Verwendung von Schleifringen zu vermeiden, können Elektrik und Elektronik der Rotoren induktiv mit Leistung und Information versorgt werden. Die Rotoren können kontaktfrei in Magnetlagern laufen. Zur besseren Manövrierbarkeit kann auch eine (möglicherweise verstellbare) Anordnung verschiedener Rotoren zur Anwendung kommen; Fähren mit nur einer Rotorachse stellen nur die einfachste mögliche Form dar. Anordnungen mit mehreren Drehachsen hätten eine gewisse Ähnlichkeit zu Magnetgetrieben.

Die Bordausrüstung und bei bemannter Raumfahrt auch der Aufenthaltsbereich von Raumfahrern sollte abgeschirmt werden. Raumschiffe mit Magnetrotoren strahlen unvermeidlich auch eine gewisse elektromagnetische Strahlung ab, deren Grundfrequenz der Drehzahl mal der Polzahl des jeweils abstrahlenden Rotors entspricht.

Auch eine diesem Funktionsprinzip entsprechende Ausführung ganz ohne bewegliche Teile, die rein auf Leistungselektronik basiert, dürfte prinzipiell machbar sein.

Als netten Nebeneffekt erhält man noch einen magnetischen Schutzschild, der auf das Raumschiff einprasselnde geladene Teilchen aus Sonnenwind und kosmischer Strahlung bremst und teilweise auch durch magnetische Einschlußwirkung der Magnetfeldlinien in Kombination mit Fliehkräften ganz fernhält. Natürlich hilft die durch den Rotor erzeugte Magnetosphäre weder gegen Neutronen noch gegen Neutrinos noch gegen elektromagnetische Strahlung (Radiowellen, Wärme, Licht, Röntgen, Gammastrahlung) noch gegen Mikrometeorite. Das im Antrieb enthaltene Schutzschild hilft wirklich nur gegen geladene Teilchen, und das auch nur teilweise, was der Bordausrüstung und eventuell an Bord befindlichen Raumfahrern aber bereits wesentlich helfen dürfte. Elektromagnetischer Strahlung, Mikrometeoriten, neutralen Teilchen und den restlichen, nicht vollständig abgefangenen geladenen Teilchen läßt sich nur durch entsprechende Panzerung und gegebenenfalls Kühltechnik begegnen. Größeren Objekten muß ausgewichen werden, was eine entsprechende astrometrische Früherkennung voraussetzt.
Weiterhin läßt sich durch den geschilderten Antrieb während der gesamten Raumfahrt eine als Schwerkraft empfundene Beschleunigung herstellen, die zwar nur einen Bruchteil der Erdfallbeschleunigung betragen dürfte, aber zuverlässig dafür sorgt, daß Gegenstände nicht im Raumschiff umherschweben, sondern auf den Fußboden fallen und liegenbleiben. Gleitet einem Raumfahrer in einem derart angetriebenen Schiff ein Schraubenschlüssel aus der Hand, so schwebt der nicht anderen Raumfahrern gegen den Kopf, sondern fällt nach "unten" und kann dort leicht wieder aufgefunden werden. Außerdem hilft die ständige Beschleunigung bei der Positionierung des Raumschiffes und verhindert bei sinnvoller Schwerpunktlage dessen Rotation entgegen der Rotordrehrichtung.

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Autor: Dröppez